Der Dividendenabschlag ist der Abschlag auf den Kurs einer Aktie nach Zahlung der Dividende.
Doch wann erfolgt der Dividendenabschlag und wie wirkt er sich auf die Dividendenstrategie aus?
In diesem Ratgeber erkläre ich dir alles zu dem Thema Dividendenabschlag und gebe dir eine Definition und Beispiele und gehe auch auf die Auswirkungen bei ETFs und Optionen ein.
Inhaltsverzeichnis
Auf einen Blick
- Der Dividendenabschlag ist formal als Aktienkurs minus gezahlter Dividende definiert. Die Unternehmen schütten die Dividenden an ihre Anteilseigner aus. Da damit das Kapital und der Wert der Firma gemindert wird, sinkt gleichzeitig der Aktienkurs um die gezahlte Dividende
- Die Dividendenausschüttung kann in voller Höhe auf den Kurs der Dividendenaktien durchschlagen. In der Praxis ergibt sich für die Anleger daraus aber auch eine Investitionschance, aufgrund des niedrigeren Kurses
- Lerne auf meiner Seite die Definition vom Dividendenabschlag, Beispiele aus der Praxis und Auswirkungen auf deine Handelsstrategie kennen
Definition: Dividendenabschlag
Der Dividendenabschlag wird laut Börsenlexikon „Ex-Dividende“ genannt. Der Begriff „Ex-Dividende“ trifft den Kern. Der Dividendenabschlag wird „nach der Dividendenausschüttung“ sichtbar. Er bezeichnet den Betrag, um den Aktienkurs am Tag nach der Dividendenzahlung reduziert wird. Die Ex-Dividende wird an der Börse als Kurszusatz angegeben.
Der Weg zur Dividendenausschüttung
Wer den Dividendenabschlag verstehen will, muss den Weg zur Dividendenzahlung kennen. Vor allem geht es darum, was eine Dividende ist und wie sich diese auf den Wert des Unternehmens (der Aktiengesellschaft) auswirkt. Zu beachten ist an dieser Stelle, dass es für die Dividendeninvestoren einen wesentlichen Unterschied zwischen deutschen und amerikanischen Aktien gibt. In den USA wird die Ex-Dividende deutlich früher als in Deutschland gehandelt.
Dividendenausschüttung in Deutschland
- 21 Tage (drei Wochen) vor der Hauptversammlung: Der Zeitpunkt wird als Record Day bezeichnet. Du musst an diesem Tag im Besitz der Aktie sein, um für die Hauptverhandlung stimmberechtigt zu sein, nicht jedoch um die Dividende zu erhalten.
- Ein oder zwei Tage vor der Hauptversammlung: Du musst die Aktie in deinem Depot haben, um dividendenberechtigt zu sein.
- Tag der Hauptversammlung: Die Aktionäre beschließen die Dividendenauszahlung. Der Beschluss basiert auf der Vorlage des Vorstandes, der über die Höhe der Dividende im Geschäftsjahr entschieden hat.
- Tag nach der Hauptversammlung: Es handelt sich um den Ex-Dividende Tag. Die Aktien werden mit dem Dividendenabschlag zu einem niedrigeren Kurs gehandelt.
- 3 Werktage nach der Aktionärsversammlung: Es ist der Zahltag der Dividende. Es erfolgt die Auszahlung der Dividende, also der Gewinn.
Dividendenausschüttung in den USA
- 3 Tage vor dem Record Date: Die Aktien müssen gekauft werden, um dividendenberechtigt zu sein.
- 2 Tage vor dem Record Date: Die Aktie wird am Ex-Tag mit Dividendenabschlag gehandelt.
- Record Date: Der Tag wird in den USA vom Verwaltungsrat festgelegt. Die Dividende wird beschlossen, in Übersee oft quartalsweise.
- Auszahlung: Irgendwann nach dem Record Date wird die Dividende ausgeschüttet. Es gibt keine vorgeschriebenen Fristen, innerhalb von denen die Unternehmen eine Dividende an Aktionäre ausschütten müssen.
Konkret: So wirkt sich der Dividendenabschlag auf den Aktienkurs aus
Rein rechnerisch wird die ausgezahlte Bruttodividende vom Aktienkurs abgezogen. Angenommen, die Aktie hat einen Wert von 100 Euro, so hat diese bei einer Dividendenzahlung von 5 Euro Ex-Dividende nur noch einen Handelswert von 95 Euro – Eröffnungskurs am Ex-Tag.
Für Dividendeninvestoren ergibt sich aus diesem Fakt heraus eigentlich ein Nullsummenspiel. Auf der einen Seite haben sie ihre Dividende erhalten, auf der anderen Seite ist der Wert des Depots durch den Dividendenabschlag gesunken. Da die Bruttodividende nicht der tatsächlich gezahlten Bardividende (minus Abgeltungssteuer oder Quellensteuer) entspricht, kann sich faktisch sogar ein Minus ergeben.
In der Praxis ist es sehr oft so, dass sich die Auszahlung der Profite nicht 1:1 im Aktienkurs widerspiegelt. Es gibt weitere Faktoren, die zur Kursbildung der Aktie beitragen. Die Preise beim Wertpapierhandel an der Börse werden immer von Angebot und Nachfrage bestimmt.
Dividendenabschlag: Beispiele in der Praxis
Nach meinen Erfahrungen hat es 2023 in Deutschland aber auch konkrete Dividendenabschläge geben, bei denen sich der Kursabschlag sehr genau auf den Schlusskurs am Ex-Dividende Tag ausgewirkt hat, siehe:
Beispiel 1: Deutsche Telekom
- Datum der Ausschüttung: Mai 2023
- Vor der Ausschüttung: Der Aktienkurs lag bei 20,00€
- Dividende: 0,70€ pro Aktie
- Nach der Ausschüttung: Am Ex-Dividenden-Tag fiel der Kurs auf 19,30€
Beispiel 2: Siemens AG
- Datum der Ausschüttung: Februar 2023
- Vor der Ausschüttung: Der Aktienkurs lag bei 130,00€
- Dividende: 4,00€ pro Aktie
- Nach der Ausschüttung: Am Ex-Dividenden-Tag fiel der Kurs auf 126,00€
Beispiel 3: Allianz SE
- Datum der Ausschüttung: Mai 2023
- Vor der Ausschüttung: Der Aktienkurs lag bei 220,00€
- Dividende: 10,80€ pro Aktie
- Nach der Ausschüttung: Am Ex-Dividenden-Tag fiel der Kurs auf 209,20€
Dividendenabschlag bei Optionsscheinen
Der Dividendenabschlag wirkt sich auf den Handel mit Optionsscheinen aus. Bei Optionen wird die erwartete Dividende aber bereits ab dem Tag der Veröffentlichung eingepreist. Der Preis für die Put-Option steigt an, der Preis für die Call-Option fällt leicht. Dies hat zur Folge, dass sich der Abschlag am „Ex-Dividende“ Tag bei einen Optionsschein weniger stark als bei den Aktien auswirkt.
Dividendenabschlag bei ETFs und Aktienfonds
Wer in ETFs (thesauriert) oder in Aktienfonds mit Dividendenpapieren investiert, wird vom Kursverlust wenig spüren. Dein Depotwert bzw. der Handelskurs der ETFs und der Fondsanteile bleiben nahezu unverändert. Die Dividendenausschüttung wirkt sich positiv aus, währenddessen der Dividendenabschlag in nahezu gleicher Höhe für negative Kurskorrektur sorgt.
Aktien mit hohen Dividenden Abschlägen
Meine Erfahrungen zeigen, dass die Dividendenabschläge in der Praxis an der Börse unterschiedliche Auswirkungen haben. Mit sehr hohen Abschlägen ist bei Unternehmen zu rechnen, die grundsätzlich hohe Dividendenzahlungen vornehmen. Beste Beispiele hierfür in Deutschland sind die Deutsche Telekom, die Volkswagen AG und die Mercedes Benz Group AG. Zu hohen Dividendenabschlägen kommt es zudem bei Aktiengesellschaften, die wirtschaftliche Probleme haben. Das beste Beispiel hierfür ist die Bayer AG.
Durchschnittsabschlag und Kurskorrektur nach Ex-Dividende
Der durchschnittliche Dividendenabschlag am deutschen DAX (deutsche Börse) betrug in den zurückliegenden fünf Jahren zwischen 3% und 4%. Die Siemens AG hat 2023 beispielsweise 3,3% gezahlt, die Allianz 5%. Der Ex-Dividende Tag ist daher für Investoren ideal, günstig neue Aktienpakete zu kaufen. Im Durchschnitt benötigen die deutschen DAX-Konzerne 108 Tage, ehe sich der Kurs der Aktie wieder erholt hat, sprich sie den Dividendenabschlag aufholen. Wer als Anleger Ex Dividende kauft, kann somit ein sehr gutes Kurssteigerungspotential der Aktie haben.
Fazit
Der Dividendenabschlag (Ex-Dividende) ist die logische Folge der gezahlten Bruttodividende. Die Unternehmen schütten einen Teil der erwirtschafteten Profite an ihre Anleger (Aktieninhaber) aus. Der Dividendenabschlag ist nichts Negatives, muss aber in der Dividendenstrategie beachtet werden, da der Kurs der Aktie sinkt. Komplett umgehen lässt sich der Abschlag nicht, kann aber beispielsweise beim Handel mit Optionen gemindert werden. Bei ETFs und Aktienfonds spielt der Dividendenabschlag faktisch keine Rolle.
Für neue Dividendeninvestoren ergibt sich durch die Dividendenabschläge sogar eine sehr gute Investitionschance. Wer Ex-Dividende kauft, erhält die neuen Wertpapiere günstiger als vor der Dividendenzahlung.
Fragen und Antworten
Abschließend habe ich dir nochmals einige wichtige Details zum Dividendenabschlag auf Aktien zusammengestellt.
Was ist ein Dividendenabschlag?
Der Dividendenabschlag ist der Aktienkurs minus Dividende. Weitere Informationen findest du unter „Definition: Dividendenabschlag“.
Wann erfolgt der Dividendenabschlag?
Der Dividendenabschlag erfolgt einen Tag nachdem die Hauptversammlung der Höhe der Dividendenzahlung zugestimmt hat. Es gibt Unterschiede zwischen Deutschland und den USA, nachzulesen unter „Der Weg zur Dividendenausschüttung“.
Wie hoch ist der Dividendenabschlag?
Der Dividendenabschlag entspricht der Bruttodividende. Der Wert des Unternehmens wird um die Höhe der gezahlten Gesamtdividende gemindert, siehe „Dividendenabschlag: Beispiele in der Praxis“.
Kann man vom Dividendenabschlag profitieren?
Ja, Investoren können vom Dividendenabschlag profitieren, indem die Aktien am Ex-Dividende Tag mit einem niedrigeren Kurs gekauft werden. Warum dies so ist, liest du unter „Durchschnittsabschlag und Kurskorrektur nach Ex-Dividende“.