Die Vorzüge von Dividenden kennt jeder, aber über die Fehler und Mythen spricht niemand.
Kennst du die größten Fehler und Mythen bei Dividenden?
In diesem Ratgeber zeige ich dir, welche Fehler du bei der Anlage mit Dividenden vermeiden solltest und stelle die häufigsten Mythen auf den Prüfstand. Nur wenn du diese kennst, kannst du auch deinen Erfolg mit Dividenden verbessern.
Inhaltsverzeichnis
Auf einen Blick
- Bei einem Investment in Aktien oder ETFs zeigen sich Fehler meistens erst spät und können so sehr teuer werden. Insbesondere die Steuer kann ein wesentlicher Aspekt sein und deinen Gewinn schmälern
- Habe bei der Auswahl deiner Strategie immer an dein Ziel im Blick: Ist es der Vermögensaufbau oder möchtest du aus deinem Vermögen leben?
- Ich habe dir die sieben wichtigsten Mythen und Fehler in diesem Ratgeber zusammengestellt und zeige dir, wie der Fokus auf Dividenden auch schädlich sein kann
ETFs vs. einzelne Dividenden-Aktie
Dividende oder ETF. Die Frage stellt sich jeder Anleger. Wer selbständig eine Strategie auf Dividenden-Wertpapiere umsetzen will, benötigt ein gewisses Grundwissen. Du musst wissen, bei welchen Aktien wirklich nachhaltige Dividenden zu erwarten sind, vor allem wann und wie die Ausschüttungen erfolgen. Du musst deinen Cashflow selbst managen. Ist eine Dividendenzahlung erfolgt, obliegt es dir, das Geld neu in weitere Aktien zu investieren. Du musst analysieren, welche Aktie dir in den kommenden Monaten und Jahren weiterhin gute Rendite bringt.
Bei ETFs ist es einfacher. Bei den Fonds wird die Arbeit vom Management übernommen. Die Dividenden werden in den Aktienmarkt reinvestiert. Du hast automatisch einen Zinseszinseffekt. Die ETFs investieren zudem in einen breiten Markt. In die Anleihe sind Aktientitel mehrerer Unternehmen einbezogen. Du investierst nicht in eine Firma oder Branche. Durch die Verteilung sinkt dein Anlagerisiko.
Kauf von Aktien vor der Hauptversammlung
Ein elementarer Fehler ist die sogenannte Jagd nach Dividenden. Es gibt einige Investoren, die ihr Depot permanent umschichten, um möglichst viele Dividendenzahlungen zu erhalten. Es werden permanent Aktien gekauft und verkauft. Komplett vergessen werden dabei die Kosten für die Transaktionen, die die Rendite deutlich nach unten drücken.
Steuer schmälert den Gewinn
Das Unternehmen zahlt eine Dividende von 10 Euro. Die Dividendenrendite ist überdurchschnittlich. So weit, so gut. Deine Freude dürfte aber schnell geschmälert sein, denn du musst auf die Dividende Steuer zahlen. Auf deinem Konto beim Online Broker wird nie die vollständige Rendite ankommen. Du musst in Deutschland 25% Abgeltungssteuer (plus Soli und Kirchensteuer) bezahlen. Die Steuer wird direkt einbehalten. Dir steht lediglich ein maximaler steuerfreier Kapitalertrag von 1.000 Euro pro Jahr zu. Bei ausländischen Aktien fährst du nicht besser, da dort die Quellensteuer zu zahlen ist.
In den nachfolgenden Abschnitten will ich meinen Fokus etwas spezieller auf Fehler und Mythen bei Geldanlagen in Dividendenaktien legen.
Mythos Nr. 1: Aktien mit hoher Dividendenrendite sind das beste Investment
Wer mit seinen Investments auf eine Aktiendividende abzielt, wird dir immer sagen, dass die Wertpapiere die beste Anlage sind. Richtig ist, dass es zahlreiche sehr gute Dividendenaktien gibt, die dir tatsächlich eine hohe Rendite bringen. Teilweise sind die Aktien auch in wichtigen ETFs als Profitreiber dabei, beispielsweise im UCITS und im MSCI World Index.
Trotzdem bleibt es ein Mythos, dass Aktien mit hoher Dividendenrendite automatisch das beste Investment sind. Bei Aktien sind immer beide Pfeiler – also Dividende und Kursentwicklung – zu beachten.
Ein Beispiel: Du kaufst Aktien für 10.000 Euro, die keine Dividende ausschütten, binnen eines Jahres aber im Wert um acht Prozent steigen. Dein Portfolio hat so einen Wertzuwachs von 800 Euro und steht nach einem Jahr bei 10.800 Euro. Auf den gleichen Depotwert kommst du bei einer Dividendenausschüttung von 8%, sofern die Aktie im Kurs unverändert ist.
Mythos Nr. 2: Lange Dividendenhistorie ist eine sichere Bank
Es hört sich logisch an. Wer Aktien mit einer langen Dividendenhistorie wählt, ist auf der sicheren Seite. Ich denke an dieser Stelle insbesondere an die Dividendenaristokraten und die Dividendenkönige, die seit 25 bzw. 60 Jahren kontinuierlich hohe Gewinne auszahlen. Richtig ist, dass du vermutlich schon eine sichere Bank hast, aber niemals eine Garantie.
Es ist ein Fehler zu glauben, dass die Dividendenhistorie ein klarer Beleg für die Dividendenrendite in der Zukunft ist. Die Erfahrung zeigt mir, dass selbst Dividendenaristokraten die Ausschüttungen von Zeit zu Zeit kürzen. Der Erfolg der Unternehmen in der Vergangenheit bedeutet nicht zwangsläufig, dass in der Zukunft ein hoher Profit erzielt wird.Wer beispielsweise den S&P 1.500 Index und den S&P 1.500 „Dividend Aristocrats“ Index der letzten zehn Jahre vergleicht, wird sehen, dass die Unternehmen, die weniger Fokus auf die Dividende haben ein jährliches Durchschnittsplus von 11,66 % vorzuweisen hatten, die Aristokraten aber nur von 8,85 %.
Mythos Nr. 3: Aktien mit Dividenden sind wenig risikoreich
Der Mythos, dass die Aktien mit Dividenden weniger risikoreich sind, hält sich hartnäckig. Meine Vergleiche zeigen, dass die Aussage nur teilweise richtig ist. Dividendenaktien haben meist eine hohe Volatilität. Durch die Kursschwankungen (Drawdown nach unten) kann es unter Umständen zu einem deutlichen Minus im Portfolio kommen, das durch die Rendite nicht aufgefangen wird.
Vergleicht man Aktien mit und ohne Dividende, kommt man zum Schluss, dass es auf beiden Seiten Ausreißer nach oben oder unten geben kann. Ich halte den Mythos teilweise für richtig, aber nicht als Pauschalaussage.
Mythos Nr. 4: Hohe Dividenden zeigen gesundes Unternehmen
Weiter geht es mit einem Fehler in der Denkweise der Anleger, die bei der Beurteilung der Aktie ausschließlich auf die Dividendenrendite bleiben. Hohe Ausschüttungen oder Rendite haben rein gar nichts mit einem gesunden Unternehmen zu tun. Im Gegenteil, ich bin der Meinung, dass eine hohe Rendite in der Anlagestrategie sogar als Warnsignal gesehen werden kann.
Angenommen, eine Dividendenaktie hat einen Wert von 100 Euro. Die Aktiengesellschaft zahlt pro Jahr stetig eine Dividende von 5 Euro. Du hast eine Dividendenrendite von 5 Prozent. Die Firma kommt nun in eine wirtschaftliche Schieflage. Die Prognose für die Zukunft ist nicht gut. Der Aktienwert fällt auf 50 Euro. Trotzdem bekommst du pro Jahr weiter deine 5 Euro als Rendite gezahlt. Die Dividendenrendite springt also auf 10 Prozent nach oben. Es ist augenscheinlich, dass die Entwicklung trotzdem negativ ist.
Mythos Nr. 5: Dividendenentnahmen sind besser als Aktienverkäufe
Es ist das Ziel fast aller Privatinvestoren an der Börse. Sie wollen aus dem passiven Einkommen, also von der Rendite leben. Oft wird gesagt, dass die Dividendenentnahme der richtige Weg ist. Der Gedanke ist, dass man den Aktienstock im Portfolio belässt, so das Grundkapital.
In der Praxis entbehrt der Mythos aber jeglicher Grundlage. Ob du fünf Prozent als Dividende aus dem Depot fließen lässt oder fünf Prozent nach Aktienverkäufen, ist logischerweise gleich. Der Vermögenswert verändert sich nicht.
Mythos Nr. 6: Dividenden sichern passives Einkommen unabhängig vom Kurs
Dividenden-Fans sind der Meinung, dass die Renditen ein sicheres Einkommen sichern, da man sich nicht auf die Kursentwicklung der Aktie verlassen muss.
Es mag langfristig richtig sein, dass die Dividendenausschüttungen weniger schwanken als die Kurse. Eine Garantie für die Tatsache gibt es aber nicht. Während der Corona-Phase und kurz danach haben viele Unternehmen beispielsweise die Dividendenzahlungen gekürzt, während die Aktienkurse (vor allem kurz nach der Pandemie) Rekordwerte erreicht haben.
Mythos Nr. 7: Dividendenaktien bieten besten Schutz vor Inflation
Den Mythos, dass die Dividendenaktien den besten Schutz vor der Inflation bieten, halte ich in der Bewertung für teilweise richtig. Langfristig ist es so, dass die Dividendenzahlungen höher sind als die Inflation, vor allem dann, wenn die Rendite sofort reinvestiert wird.
Die jüngere Geschichte zeigt aber, dass es auch Gegenbeispiele gibt. Der Weltaktienmarkt (gemessen am MSCI ACWI IMI) verlor im Jahr 2022 insgesamt 12,42 %. Auf der anderen Seite ist die Inflation in den USA und in der Europäischen Union durch die Decke geschossen. Von Inflationsschutz konnte also keine Rede sein.
Weitere Fehler in der Dividendenstrategie
Ein Fehler beim Investment ist, dass viele Anleger sich einfach Aktien mit Dividenden aus Angebot heraussuchen und diese recht wahllos kaufen. Aus meiner Sicht ist es wichtig, eine klare Anlagestrategie zu verfolgen. Was willst du in welchem Zeitraum mit deinem Geld erreichen? Relevant ist aus meiner Sicht, wenn du Investments in bestimmte Branchen und Regionen bündelst. Sinnvoll ist, mehrere Depots zu führen, um unterschiedliche Strategien zu verfolgen. Eine breite Aufstellung kann nie schaden.
In jedem Fall solltest du die Entwicklung des Unternehmens beachten. Wie lange ist die Aktiengesellschaft bereits am Markt vertreten? Handelt es sich um ein Start-Up Unternehmen? Zahlt eine relativ junge Firma hohe Dividenden aus, so sollte dies immer hinterfragt werden. Neue Unternehmen benötigen ihren Cashflow im Normalfall für die Investitionen in weitere Projekte. Ideal für eine Dividendenstrategie sind Firmen, die sich am Markt durchgesetzt haben.
Fazit: Dividenden sind nicht alles
Im Fazit kann ich sagen, dass sich um die Profitzahlungen der Unternehmen viele Dividenden-Mythen ranken. Dies heißt aber nicht, dass eine Investmentstrategie auf Dividenden negativ ist, im Gegenteil. Wer als Anleger den Markt und die Dividenden richtig einschätzt, kann mittel- und langfristig profitabel investieren.
Wichtig ist, dass dein Fokus nicht ausschließlich auf die Dividenden gerichtet sein darf. Die Dividende ist gut, aber nicht der Weisheit letzter Schluss. Minimal musst du immer die Kursentwicklung in deine Überlegung einbeziehen. Weitere Kennzahlen zum Cashflow des Unternehmens, geplanten Projekten und Investitionen, der Ausschüttungsquote sorgen für einen differenzierten Blick auf die Dividendenrendite.
Fragen und Antworten
In diesem Abschnitt habe ich Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um Dividendenfehler gesammelt.
Was ist der größte Fehler von Dividendeninvestoren?
Der größte Fehler der Investoren ist, dass ausschließlich auf die Dividende geachtet wird. Alle anderen wichtigen Kennzahlen werden vernachlässigt. Einige Hintergründe zur Thematik findest du um Abschnitt „Mythos Nr. 1: Aktien mit hoher Dividendenrendite sind das beste Investment“.
Sollte ich im Alter Aktien verkaufen oder nur Dividenden aus dem Depot entnehmen?
Wenn du einen festen Betrag aus dem Portfolio entnimmst, ist es irrelevant, ob es sich dabei um Dividenden oder Aktienverkäufe handelt. Weshalb die Wirkung gleich ist, kann im Abschnitt „Mythos Nr. 5: Dividendenentnahmen sind besser als Aktienverkäufe“ nachgelesen werden.
Kann ich darauf setzen, dass Dividendenaristokraten weiterhin stabil zahlen?
Nein. Es ist ein Mythos, dass sich aus der Dividendenhistorie ein positive Zukunftsprognose ableiten lässt. Warum dies so ist, liest du unter „Mythos Nr. 2: Lange Dividendenhistorie ist eine sichere Bank“.

In meiner Ausbildung zum Bankkaufmann bin zum ersten Mal mit dem Thema Dividenden in Berührung gekommen. Schnell habe ich festgestellt, dass es in meinem Umfeld oft Vorurteile und Halbwissen gegenüber der Börse gibt und freue mich daher, meine langjährige Erfahrung bei Dividenden.de als Redakteur einbringen zu dürfen.